6-Punkte-Plan: Selbstwert steigern
Selbstwert, was ist das? Wir sprechen auch von Selbstwertgefühl, Selbstwertschätzung, Selbstachtung, Selbstvertrauen, oder Selbstbewusstsein. Die Psychologie versteht unter dem Selbstwert die Bewertung von sich selbst. Das Bild, das wir von uns selbst haben. Das kann sich auf unsere Persönlichkeit und Fähigkeiten, aber auch auf die Erinnerungen an die Vergangenheit oder auf das Selbstempfinden beziehen. Unterschieden wird nicht nur, ob der Selbstwert einer Person hoch oder niedrig ist, sondern auch ob er stabil oder instabil, kontingent oder nicht-kontingent, explizit (bewusst kognitiv) oder implizit (unbewusst affektiv erfahrungsbedingt), sicher oder fragil ist. Laut Leary und Mitarbeitern dient der Selbstwert als ein Indikatior für die soziale Integration eines Menschen (Soziometer-Theorie). Nach dem kognitiven Modell von Aaron T. Beck wird der Selbstwert auch stark von Denkprozessen (Grundannahmen, automatische Gedanken, verzerrte Informationsverarbeitung) beeinflusst. (Quelle: angelehnt an wikipedia)
Und was ist das eigentlich genau, den „Selbstwert steigern“? Viele denken da an die Steigerung von Selbstvertrauen oder Selbstbewusstsein. Doch das Selbstwert-steigern geht viel tiefer, … ist etwas erheblich Substanzielleres, meiner Ansicht nach. Denn es macht uns zunehmend „selbstwirksam“ im sogenannten „Erwachsenen-Ich“.
Wie können wir unseren Selbstwert steigern? Hier 6 Tipps dazu ….
1. Hauptaugenmerk auf das Positive richten
Zumeist konzentrieren wir uns (schon erziehungsbedingt) auf Mangel und Misslingen, um es eben noch besser machen zu können. Da beginnt schon dysfunktionales (= z.B. unangemessenes, negatives, übertriebenes) Denken.
Stattdessen ist es für unseren Selbstwert förderlich, wenn wir das fokussieren und sehr deutlich anerkennen, was gut läuft und worüber wir uns freuen können. Das ist kein Chakka-Chakka-Bullshit, sondern angemessene Selbstfürsorge.
2. Öfter mal was Neues anpacken
Gerne verharren wir dort, was wir einigermaßen beherrschen, um uns selbst nicht zu enttäuschen. Stagnation! Was macht das mit unserem Selbstwert wohl?;)
Aber wir können so viel mehr. Mindestens können wir doch neue, unbekannte Dinge einfach vorbehaltslos mal ausprobieren. So werden wir offener und in jedem Fall mutiger (!!) und sammeln positive Erfahrungen zugunsten unseres Selbstwerts. Dazu muss die neue Sache übrigens auch gar nicht unbedingt gelingen;)
3. Sich beleuchten und lernen
Ich finde ja, dass jedem Mensch ab 30 eine Psychoanalyse gut täte;). Je mehr wir über uns lernen, desto mehr verstehen wir uns selbst, wie wir „gestrickt“ sind und wie wir „funktionieren“. Wir werden kompetenter über das eigene Erleben. Wir erkennen, wo die Stellschrauben sind, die wir selbst anziehen können. Wir kommen besser mit den Herausforderungen des Lebens zurecht. Wir werden „weiser“. Klar, dass das auf Dauer den Selbstwert steigert.
4. Was will ich für mich? – und danach handeln
Oft leben wir mehr „Das Leben der Anderen“ als unser eigenes. Es ist zu unserem psychischen Gleichgewicht entscheidend, dass wir uns von den Erwartungen Anderer lösen, die wir uns übrigens zuweilen auch nur einbilden / vorstellen. Wie soll ich mit dem Fokus auf andere meinen Selbstwert steigern? Deren Anerkennung könnte uns immer verwehrt werden. Deren Anerkennung bzw. das Erreichen von Zielen Anderer sollte kein Maßstab für unseren Selbstwert sein. So kann er nur fragil sein.
Wir müssen überhaupt keine Erwartungen anderer Menschen erfüllen. Dazu sind wir nicht da. Sind wir nicht viel eher dazu da, uns selbst gerecht zu werden und ein Leben zu leben, das möglichst viel mit uns selbst zu tun hat? In welchem wir unsere Ziele und Träume angehen?
5. Sich in der eigenen Einzigartigkeit akzeptieren
Verwandtes Thema, wie zuvor … In der Regel vergleichen wir uns mit anderen Menschen und dabei werden wir immer Menschen identifizieren, die etwas besser können, die klüger sind, die schneller sind, etc. pp… Der Vergleich per se ist gar nicht problematisch. Es spricht gar nichts dagegen, sich von den Fähigkeiten, Eigenschaften oder Leistungen inspirieren zu lassen. Doch zumeist geraten wir dann in eine Art „Unterwürfige Kind-Ich-Position“ bzw. wir werten uns aus einer Art überkritischen Eltern-Ich-Position selbst ab.
Wir können hingegen mit uns selbst zufriedener sein, wenn wir einfach realistisch anerkennen, dass wir sind, wer wir sind (Selbstakzeptanz). Dass wir nicht alles gleich gut können, dass wir einzigartig sind und dass niemand außer uns diese Kombination von Fähigkeiten und Eigenschaften hat.
6. Mein Umfeld neu ordnen
Wir brauchen gute Energien und gute Schwingungen, um einen angemessenen Selbstwert aufzubauen bzw. aufrechtzuerhalten.
„Negative, vergramte Menschen“ sind Energie-Sauger. Abgrenzung ist hier gefragt. Und zwar zu unserem Selbstschutz, der natürlich auch unseren Selbstwert unterstreicht.
Von Personen, die zB dauernd herummeckern, sollten wir uns konsequent distanzieren. Wir sollten meiner Ansicht nach – (nur) falls uns wirklich etwas daran liegt – ggf. das Problem offen thematisieren. Und dann versuchen, mittels eines Grundsatzgesprächs Klärung und Veränderung herbei zu führen. Damit haben wir dann genügend (ebenfalls selbstwertsteigernde) Verantwortung übernommen … und der Andere entscheidet mit seinem freiem Willen, was er daraus macht. Punkt, so einfach ist das tatsächlich. („Einfach“ heißt ja nicht, dass es nicht dennoch emotional fordernd sein kann. Aber so haben wir Gewissheit und wir haben selbstwirksam gehandelt. Sehr selbstwertsteigernd, mindestens auf mittlere Sicht:) …)
Und so sollten wir mit dauerhaft „negativen Menschen“ den Kontakt einstellen, bzw. (wenn unmöglich) ihn zumindest auf ein Minimum reduzieren. Sollte es darüberhinaus tatsächlich – … und ich meine wirklich tatsächlich, denn das meiste reden wir uns oft nur ein, wenn wir ganz ehrlich sind … – nicht möglich sein, den Kontakt zu verhindern, …. dann haben wir immer noch die Macht, unsere Bewertung zu verändern: So können wir uns darin trainieren, z.B. negative Worte auch lediglich als die „persönliche Meinung (und Problematik) des Redners“ einzuordnen und die Negativität nicht auf uns zu beziehen / nicht persönlich zu nehmen. Meinen KlientInnen und den BesitzerInnen meines Hörbuchs „Emo-Training“ wird das gerade schon bekannt vorkommen 😉
Wir sind selbst verantwortlich für unseren Selbstwert.
Es macht Sinn, sich mit Menschen zu umgeben, die uns dabei unterstützen, uns positiv weiterzuentwickeln.
Fangen Sie damit heute noch an. Gerade am Anfang bedarf es noch besonderer Aufmerksamkeit und Bewusstheit! Schreiben Sie heute Abend doch einmal eine Liste auf mit all den Dingen (und auch sog. „Kleinigkeiten“), die Sie in Ihrem Leben bereits erreicht haben. Achten Sie auf diese 6 Punkte zur Selbstwertsteigerung und erweitern Sie diese Liste fortlaufend. Nach bereits kurzer Dauer wird Ihre Selbstwertung besser und stabiler werden. Sie werden sich selbst mehr anerkennen, sich robuster abgrenzen können und mit unvermeidlichen Widrigkeiten ganz einfach gelassener umgehen können. Das wünsche ich Ihnen von Herzen, liebe Leser!!!
Erkrankung und Erkrankte differenzieren
Alohahee Ihr Lieben?✌?.
Heute habe ich bei Facebook einen Thread gelesen, bei dem meines Erachtens zu sehr vernachlässigt wurde, wie einzigartig und individuell jeder Erkrankung verläuft.
Aus gegebenem Anlass würde ich auch hier gerne ein paar allgemeine Worte dazu sagen.
Vielleicht kann ich manchen LeserInnen bzw deren Beziehungen damit ja auch ein wenig behilflich sein.
Bitte „Achtung“?
Meiner Meinung nach sollte man bei den Bewertungen Über das Verhalten von an Depressionen erkrankten Menschen vorsichtig sein und seeehr klar differenzieren.
Es gibt keine Allgemeingültigen Pauschalaussagen!
Insofern ist es nach meinem Dafürhalten schon nicht angemessen, von „Den Betroffenen“ als quasi eine abgrenzbare Personen Gruppen mit ähnlichem und vorhersehbaren Verhalten zu sprechen.
Das lässt sich nicht über einen Kamm scheren.? Keineswegs sind alle Betroffenen gleich oder sich sehr ähnlich… so „einfach“ ist es nicht…
Es gibt nicht „Die Betroffenen“, die man als eine gewissermaßen isolierte Personengruppe miteinander gleichsetzen oder annähernd gut vergleichbar machen könnte.
Es gibt KEINE individuellere Erkrankung als eine geistige Störung.
Eben weil der Geist betroffen ist, …also die ganz ureigene, individuelle Persönlichkeit, die sich durch sehr viele verschiedene Parameter entwickelt, vor allem durch die Gene, den Charakter, die Prägungen, die Biografie, die Erfahrungen etc.
Genauso einzigartig wie jeder Mensch ist, so individuell ist auch die Depression.
Hinzu kommen die unterschiedlichen Schweregrade, welche natürlich zu hohen Unterschiedlichkeiten beitragen….
Und auch wenn es natürlich (!) große Schnittmengen und „Verwandtschaften“ bei Betroffenen gibt, haben Depressionen nichtsdestoweniger demzufolge unzählig viele Nuancierungen und Gesichter. Mehr Gesichter, als es Betroffene gibt..
Eine Depression ist (quasi wie eine Autoimmunerkrankung) eine gegen sich selbst gerichtete und sehr schwerwiegende Aggression.
Und so gibt es beispielsweise Menschen, die auch nach außen eher aggressiv agieren (und eher der Außenwelt als sich selbst die Schuld geben) und es gibt welche, die ihre Aggressionen ausschließlich nach innen leben und sich nach außen eher zurückziehen. Letztere sind die „stillen Bluter“, die für gewöhnlich noch viel ärger leiden, weil sie kein Entlastungsventil finden.
Die Unterschiede sind auch ganz erheblich dahingehend, was für Partnerschaften gegebenenfalls das Richtige ist. Bei der einen Beziehung ist eine Trennung für alle Beteiligten besser, in einem anderen Fall lohnt es sich sehr, für die Beziehung zu kämpfen… Auch das hat nicht nur etwas mit dem Betroffenen, sondern natürlich auch ganz viel mit der ebenfalls höchst individuellen Persönlichkeit des nahestehenden Menschen zu tun…etc pp…
Ebenso kann bei einem einzigen Betroffenen höchst unterschiedliches Verhalten zu unterschiedlichen Phasen seiner Erkrankung festgestellt werden.
Das zeigt sich ja durchaus auch hier in den Kommentaren, wo entweder Betroffene oder nahestehende Menschen sehr unterschiedliches Verhalten darstellen.
Und deshalb kann es beispielsweise bei einem Betroffenen so sein, dass er tatsächlich seine Erkrankung als eine Entschuldigung benutzt, um sich entsprechend gerechtfertigt zu verhalten beziehungsweise Dinge zu unterlassen… und andere Betroffene sind einfach wirklich so krank, dass sie es nicht anders mehr schaffen….
Oder irgendwo las ich, dass einem Betroffenen mangelndes Erwachsensein-Wollen vorgeworfen wurde: auch das ist meines Erachtens etwas „zu mutig“, das so klar zu beurteilen. Es kann durchaus in einem Fall tatsächlich so sein, aber bei schwereren Depressionsverläufen tendenziell eher nicht!
Selbstverständlich ist es sinnvoll, sich zB in Selbsthilfegruppen auszutauschen…
…ich würde nur insbesondere diejenigen, die als Partner oder Angehörige noch ganz neu im Thema sind, darauf hinweisen wollen, dass nicht zwingend oder vorschnell von anderen auf die eigene Situation beziehungsweise die Situation von nahestehenden Betroffenen Rückschlüsse gemacht werden…
Eine inspirierte Zeit ?✌??✌?
Für Partner, Angehörige & nahe Freunde von Betroffenen

Hintergründe zu mir und meiner Arbeit
Sehr geehrte Damen und Herren.
Entweder habe ich Sie kontaktiert oder umgekehrt, z.B. im Hinblick auf eine etwaige Zusammenarbeit.
Auf dieser Seite erhalten Sie einen aktuellen Überblick zu mir und meiner Arbeit inkl. einiger Links und Videos als Arbeitsbeispiele.
Mein Kontext zu Depressionen
Ich (Jg. 1969) verfüge über lebenslange Erfahrungen mit schweren, rezidivierenden Depressionen zunächst als Sohn meiner schwerkranken Mutter und später als Selbstbetroffener (Ausbruch 2005) und kenne daher die Belange und Nöte beider Seiten gut.
Eine eigene Erkrankung habe ich acht Jahre lang entschieden ignoriert aufgrund meiner leistungsorientierten Erziehung und eines entsprechenden „Mannsbildes“. Und das trotz eindringlicher Warnrufe aus dem sozialen und medizinischem Umfeld. Und trotz vier ansteigend schwerer Episoden mit suizidalen Absichten.
Glücklicherweise – und im Wesentlichen mithilfe meiner unermüdlichen wunderbaren Ehefrau und meines exzellenten Psychiaters – ist mir ein Gegensteuern in 2013 gelungen, als mir klar wurde, dass ich einen weiteren, abermals schwereren Depressionsschub wohl nicht mehr überleben würde. So bin ich diesen beiden Menschen, aber letztlich auch mir selbst für mein Leben dankbar.
Seither habe ich mich unter den gegebenen Umständen recht zufriedenstellend entwickelt. Durch hunderte Sitzungen Psychotherapie, einen fünfmonatigen Klinikaufenthalt und v.a. durch meine zunehmende Fähigkeit zur Selbstunterstützung habe ich sehr viel über mich, die Erkrankung und Genesungsmethoden gelernt. So habe ich auch in meinem Leben tatsächlich Wesentliches verändern können.
Im Vergleich zu früher bin ich heute selbstfürsorglicher und selbstwertschätzender, kann mich besser abgrenzen und sehe mich besser in der Lage, mit der Erkrankung umzugehen bzw. auch auf etwaige schwerere, neue Phasen besser vorbereitet zu sein.
Daher sehe ich retrospektiv in meinen Depressionen auch eine Wachstumschance im Sinne der Persönlichkeitsentwicklung, weshalb ich auch mein Projekt so benannt habe. Und ich verspüre eine große Motivation und ein Gefühl der „Erfüllung“, heute andere Menschen mit meinen schlechten und guten Erfahrungen zu unterstützen.
Mein Projekt „Wachstumschance-Depression“
Seit 2016 engagiere ich mich öffentlich für die Enttabuisierung und Entstigmatisierung der Erkrankung „Depression“ und kooperiere bspw. mit der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.
In Selbsthilfegesprächen stehe ich Depressionserkrankten und deren Lebenspartnern & Angehörigen (tel., per Skype, persönlich) als individualerfahrener Peer-Berater / Depressionsberater / Coach zur Verfügung und möchte meine KlientInnen in Dialogen und Trialogen zur zunehmenden Selbstunterstützung motivieren (s. hier: Rezensionen).
Weitere Tätigkeiten:
Seminare / Workshops (z.B. beim Patientenkongress der Stiftung Deutsche Depressionshilfe im August 2017)
- Soll ich es sagen oder nicht?
- Kommunikationsverträge zwischen Betroffenen und deren Partner & Angehörigen
Vorträge
Interviews, z.B. im Rahmen der Kampagne des bayrischen Gesundheitsministeriums „Bitte stör mich!“
- beide Interviews in voller Länge „Ich über meine Depressionen“ und „Über die Situation nahestehender Menschen“
Buchreihe geplant
- für meine Zielgruppen „Depressionserkrankte“ und „Lebenspartner, Angehörige & nahe Freunde von Betroffenen“
Trainings-Hörbuch „zur Gedankenkontrolle & Emotionsregulierung verfasst
Je zwei reale und Online-Selbsthilfegruppen
- bei Facebook für Betroffene und Nahestehende)
Mein Engagement erfüllt mich sehr und ich möchte noch mehr Menschen bei Ihrer Selbstunterstützung helfen. Es wäre mir eine große Freude, wenn wir einmal ins nähere Gespräch kommen könnten 🙂
Ich verbleibe mit inspirierten Grüßen,
Ihr Stephan Brückner
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Interviews „Bitte stör mich“ – Kampagne des bayrischen Gesundheitsministeriums
Vortrag:
Workshops:
7 Dinge, von denen deine Depression nicht will, dass du sie weißt
Während einer Depression sind die Gedanken dunkel und verschleiern die Wahrnehmung. Deine Wahrnehmung während einer Depression ist von der Krankheit beeinträchtig und hindert dich daran, wichtige Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind. Wir zeigen dir, welche Fakten deine Depression vor dir verheimlichen möchte.
Der Schlüssel liegt im Selbstvertrauen
Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl hängen dicht zusammen und sind durch eine Depression gestört. Du nimmst dich selbst nicht mehr als den Menschen wahr, der du eigentlich bist und als den du dich auch vor der Erkrankung selbst gekannt hast. Die Fähigkeit, dich selbstsicher zu behaupten ist dir durch die Depression genommen worden. Erst mit einem sicheren Selbstwertgefühl und gutem Selbstvertrauen schaffst du es, die Depression zu besiegen.
Du wirst nicht ewig leiden
Eine Depression ist kein Dauerzustand, der dein Leben lang anhalten muss. Es gibt Mittel und Wege, den Zustand zu bessern. Leider fällt dir das während einer Depression schwer, zu glauben und du bildest dir ein „das bringt eh alles nichts“. Es ist allein deine Depression, die dich zu diesem Irrglauben führt!
Lebe im Hier und Jetzt
Die Vergangenheit ist vorbei, es lohnt sich nicht, darüber weiter zu grübeln und nachzudenken. Auch die Zukunft liegt noch vor dir und ist es nicht wert, dass du dir darüber vorsorglich schon Sorgen machst. Das Hier und Jetzt hast du selbst in der Hand, die Vergangenheit solltest du ablegen wie einen schweren Mantel. Die Erkenntnis darüber fällt dir allerdings schwer, wenn du in einer Depression steckst. Versuche, in allem das Positive zu finden und das durch aktiv positives Formulieren auch verbal zu äußern. Gehe niemals mit dem Gedanken ins Bett „heute war alles doof!”. Denke ganz bewusst darüber nach, was gut war: Es hat nicht geregnet, der Kaffee war lecker, du hast einen guten Parkplatz gefunden, dein Lieblingssong lief im Radio… oft sind es nur kleine Dinge – aber die Masse macht’s! Erinnern wir uns bewusst an die positiven Dinge des Tages, verblassen die negativen Erlebnisse des Tages automatisch.
Hilfe holen
Auch, wenn du denkst, dass dir niemand helfen kann, solltest du trotzdem um Hilfe bitten. Das muss nicht deine Familie sein, auch Freunde, die Verständnis für deine Situation haben sind für dich da. Nimm auf jeden Fall professionelle Hilfe an und lasse dich von guten Freunden und Familienmitgliedern stützen. Freunde und Familienmitglieder können einem helfen, aus dem gefühlten „Loch“ wieder herauszukommen. Gespräche oder gemeinsame Unternehmungen mit Freunden lenken ab und sorgen für positivere Stimmung. Wenn andere lachen und Freude haben, lässt man sich gerne davon anstecken. Gemeinsame Pläne schmieden hilft, den Blick positiv in die Zukunft zu richten.
Frische Luft hilft
Deine Depression hätte dich gerne leidend, grübelnd und depressiv auf dem Sofa, sie möchte nicht, dass du raus an die frische Luft gehst, dich bewegst, etwas unternimmst und so auf andere Gedanken kommst. Deine Depression weiß, dass das deinen Zustand bessern würde und daher sorgt sie dafür, dass du auf dem Sofa bleibst und dich einigelst. Versuche zu erkennen, dass es nur deine Depression ist, die dich daran hindert, an die frische Luft zu gehen und dich zu bewegen! Bewegung bringt nicht nur den Kreislauf in Schwung. Das körpereigene Glückshormon Serotonin wird ausgeschüttet und wirkt so doppelt gegen düstere Gedanken. Wer sich an der frischen Luft bewegt, tut sich und seiner Stimmung doppelt gut: Tageslicht und Sonneneinstrahlung führen ebenfalls zur Ausschüttung von Serotonin, ein Spaziergang an der frischen Luft wirkt daher doppelt positiv!
Deine Depression isst gerne ungesund
Hmmm… Pralinen, Schokolade, Chips, Süßigkeiten… Deine Depression steht auf ungesunde Lebensmittel und du denkst, du müsstest sie dir „gönnen“, damit es dir besser geht. Du glaubst, das sei alles „Nervennahrung“ und würde dir helfen, dich besser zu fühlen. Aber es ist nur deine Depression, die dich nach solchen ungesunden Sachen greifen lässt, du brauchst sie nicht wirklich. Und im Gegenteil: sie schaden dir mehr, als dass sie dazu beitragen, dass es dir besser geht! Viele Menschen mit depressiven Verstimmungen leiden an Mineralstoffmangel. Meist fehlen Magnesium und Kalium. In Getreideprodukten stecken viele komplexe Kohlenhydrate, aus denen dein Körper selbst das Glückshormon Serotonin herstellen kann. Stelle deinem Körper also genug „Serotoninbausteine“ zur Verfügung!
Sag NEIN zur Depression
Deine Depression bestimmt deine Gedanken und lässt dich keinen klaren Willen formulieren und feste Entschlüsse fassen, die du dann auch umsetzt. Es fällt dir schwer, rigoros „nein“ zur Depression zu sagen. Daher nimm professionelle Hilfe an, die dir hilft, diese Entscheidung bewusst zu treffen und das „Nein zur Depression“ auch konkret umzusetzen. Denn alleine mit der Entscheidung ist es nicht getan!
Quelle: https://bessergesundleben.de/7-dinge-von-denen-deine-depression-nicht-will-dass-du-sie-weisst/
Für Birkenbihl-Fans: Best of / Vera in Topform <3, R.I.P.
Depression & Angst – Zusammenhänge und Wechselwirkungen
Depressionen und Angst scheinen in Zusammenhang zu stehen. Viele Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, leiden auch unter einer Angst.
Dabei spielen Versagensängste eine große Rolle. Depressive haben immer wieder das Gefühl, in ihrem bisherigen Leben versagt zu haben. Gleiches gilt auch für die Zukunft. Diese Versagensängste betreffen häufig spezielle Lebenssituationen. So lösen bereits Alltäglichkeiten des normalen Lebens wie der notwendige Einkauf oder die Hausarbeit Angst aus. Immer wieder wird befürchtet, bereits solche Tätigkeiten nicht zu schaffen, zu versagen. Auch das Gefühl, ihren Kindern keine guten Eltern zu sein, kennen viele depressiv erkrankte Menschen nur zu gut. Der Gedanke, daß solche Dinge vor Beginn der Depressionserkrankung problemlos bewältigt werden konnten bzw. solche Befürchtungen nicht existierten, scheint wie ausgelöscht.
Viele Betroffene, die an einer Depression erkrankt sind, kennen auch die Angst, in ihrem Leben schwere, nicht mehr zu korrigierende Fehler gemacht zu haben oder gar eine Schuld auf sich geladen zu haben.
Neben diesen Versagensängsten spielen auch Verlust- und Trennungsängste eine große Rolle. Es wird befürchtet, vom Partner verlassen zu werden, Freunde, Bekannte und nahe Angehörige zu verlieren. Angst vor Einsamkeit wird aufgebaut, eine allgemeine Zukunftsangst entsteht.
Auch kommen regelrechte Angstattacken vor, die häufig von körperlichen Symptomen begleitet werden. Bekannt sind in diesem Zusammenhang sicherlich Engegefühle in der Brust, das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen, die Angst, einen Herzinfarkt zu erleiden oder umzufallen. Weitere körperliche Symptome stellen auch Schwitzen, Unruhe und Zittern dar.
Diese Angst kann so stark werden, daß es zu Panikattacken kommt oder sich die Angst dauerhaft festsetzt in Form einer Phobie (z.B. vor Dingen, Situationen oder Tieren) .
Wie oft und ob überhaupt eine solche Angst auftritt, ist bei jedem Erkrankten unterschiedlich, aber ungewöhnlich ist es nicht. Deshalb sollte der Arzt zuerst herausfinden, ob die Angst die Depression ausgelöst hat oder die Depression die Angst. Natürlich ist die Ursache zuerst zu behandeln.
Die modernen Antidepressiva können zum Glück auch bei Angststörungen angewendet werden. Viele Präparate haben eine angstlösende Wirkung. Sprechen Sie deshalb Ihren Behandler auf eventuell vorhandene Ängste an, damit das optimale Medikament bzw. die optimale Behandlung für Ihre Beschwerden herausgearbeitet werden kann.
Hilfreich kann auch schon das Wissen sein, daß die oben beschriebenen Ängste häufig geschildert werden und typisch in Zusammenhang mit einer Depression zu sein scheinen.
Sind Betroffene empathischer?
Heute kam ich mit der Frage in Berührung „Sind Betroffene empathischer? Können wir uns gefühlsmäßig besonders gut in andere Menschen hineinversetzen?“ … z.B. sagte ein betroffene Person, sie würde merken, dass sie bei anderen Unruhe oder Angst fühlen kann…
Ich glaube, dass viele Menschen, die von Depressionen betroffen sind, tatsächlich empathischer / gefühlssensitiver sind, als der „Durchschnitt“.
Aber ich glaube ebenso, dass die Empathie in erster Linie NICHT DURCH DIE DEPRESSIONEN entsteht (denn es gibt ja z.B. auch höchst wenig empathische Betroffene).
Sondern ich glaube eher, dass sich die Empathie zB durch Kindheitserfahrungen schon frühzeitig in uns entwickelt und unsere (sozusagen „überstarke“) Empathie letztlich unter Umständen auch eine Ursache für unsere Depressionen sein kann.
Für Letzteres spricht evtl das Helfersyndrom, das nach meiner Erfahrung auffallend viele Betroffene zu haben scheinen…
Und im späteren Verlauf (zB während der Depressionen) werden wir dann durch die Beschäftigung mit der Erkrankung und durch Therapien etc ggf noch feinfühliger / sensibler, was die Belange anderer betrifft, wobei das Gegenteil auch oft passiert, gerade auch in Bezug auf die nahestehenden Menschen (Partner, Angehörige, Freunde).
Deshalb spreche ich auch von der „Selbstempathie“, die uns gut tut….
Es fällt uns relativ leicht, uns in andere gut „hinein zu versetzen“ und auch Lösungen für sie zu sehen … aber es gelingt uns nicht / kaum, für uns selbst jenes Feingefühl / jene „Liebe“ aufzubringen….
Nach meinen Erfahrungen persönlicher Art wie im Rahmen der Arbeit mit meinen KlientInnen ist der Aufbau zunehemder „Selbstempathie“ unmittelbar depressionslindernd …. eigentlich auch ziemlich logisch, oder? 😉
Viel mehr als Traurigkeit (37 Grad, ZDF)
Wie gehe ich Genesung an?
Alohahee Ihr lieben Seelen.
Meine heutige Meinung dazu ist: Die Erkrankung Depression kommt aus dem eigenen Geist und ist eine gegen sich selbst gerichtete Aggression. Sie ist die ultimative und dringliche Ermahnung der Seele, uns sehr sorgfältig um uns selbst zu kümmern und unsere Probleme anzupacken, vor denen wir bislang weggelaufen sind.
Begriffe wie „Klapse“ oder „Bekloppte“
Alohahee ihr lieben Seelen.
Ich möchte gerne einen kleinen Appell ausrufen und ein Thema einer Facebook-Gruppe gestern aufgreifen. Hierbei entstand eine Diskussion über die Verwendung von Begriffen wie „Klapse“ und „Bekloppte“.
Mir ist der Aspekt so wichtig, weil ich mich mit meinem Projekt unter anderem für die Enttabuisierung und Entstigmatisierung engagiere.
Um das von vornherein klarzustellen: es liegt mir völlig fern, Vorwürfe oder dergleichen gegen die Verwender dieser Begriffe auszusprechen.‼️
Ich nehme auch an, dass die Begriffe von Gruppenmitgliedern eher in witzig gemeinter Absicht verwendet wurden/werden und ihnen das VERHEERENDE Ausmaß und die Folgen dessen bislang einfach gar nicht bewusst sind.
Jenes Ausmaß ist jedoch meiner Ansicht nach nicht zu unterschätzen (wohlwissend, dass viele Menschen und zum Teil auch „Wortführer“ in unserem Themenkreis das zum Teil sogar gegenteilig sehen)…:
❗️Denn die Verwendung solcher Begriffe trägt meiner Ansicht nach unmittelbar zum TABU und zur STIGMATISIERUNG der Erkrankung bei. ❗️
Und das bedeutet: Diese Begriffe sind unter anderem mit dafür verantwortlich, dass Ihr bzw. Eure Partner und Angehörigen sich ggf nicht oder lange nicht in Behandlung begeben!!!
Oder anders ausgedrückt: Ihr erreicht mit der Verwendung der Begriffe keine „Erleichterung oder eine gute Verharmlosung“, sondern Ihr erreicht damit letztlich (zumindest vermutlich und auf längere Frist) das Gegenteil dessen, was Ihr beabsichtigt.
Wie gesagt, gehe ich absolut davon aus, dass die Verwender solcher Worte sich bislang darüber gar keine Vorstellungen gemacht haben.
Ich möchte euch im Sinne der Sache, im Sinne auch Eurer Partner und Angehörigen und im Sinne Eurer selbst ermuntern, solche Begriffe aus dem Wortschatz zu streichen und auch Eure von Depressionen betroffenen Partner und Angehörige diesbezüglich „aufzuklären“. Diese Worte sind nicht witzig, sondern letztlich eben wegen der Tabuisierung und Stigmatisierung leider meines Erachtens sehr „gefährlich“.
Das wäre wunderbar.❤️
Ich wünsche euch eine inspirierte Zeit und ein angenehmes Wochenende,
Euer Stephan ???✌?✌?
Betroffener berichtet: „In der Psychiatrie sitzen die normalen Menschen“
Ein Selbstmordversuch machte Gastautor Uwe Hauck bewusst, dass er dringend Hilfe braucht. Er leidet an schweren Depressionen. In einer Klinik lernte er, die Krankheit zu akzeptieren und das Weiterleben mit ihr zu lernen.
Ich habe Depressionen. Ein Fakt, zu dem ich heute offen stehe. Aber bis dahin war es ein langer Weg, an dessen Beginn beinahe mein Tod stand. Vielleicht war es das Glück, überlebt zu haben, vielleicht blanker Fatalismus angesichts geschlossener und offener Psychiatrie über einen Zeitraum von knapp einem halben Jahr. Danach habe ich die Depression als Teil von mir, als meinen dunklen Begleiter akzeptiert. Denn das ist es, was viele Außenstehende nicht verstehen. Eine Depression ist keine Charakterschwäche oder ein kurzes Stimmungstief. Eine Depression ist eine behandelbare Krankheit. Nur ist die Behandlung weitaus langwieriger, als sich das viele vorstellen können. Manchmal dauert sie ein Leben lang.
Man fühlt gar nichts
Wenn ich in einer depressiven Phase bin, fühlt sich alles Gute, Schöne, Positive so vergänglich an wie durch ein Sieb rieselnder Sand. Man ist nicht traurig, man ist eigentlich gar nichts. Nahezu jedes Gefühl verschwindet. Eventuell empfindet man Angst, weil der Verstand einem sagt, so kann, so darf es nicht weitergehen.
Jener Einschnitt vor zwei Jahren, als ich mir das Leben nehmen wollte, hat bei mir die Erkenntnis ausgelöst, dass ich Hilfe brauche. Diese Erkenntnis war so erschütternd, dass ich mich in eine psychiatrische Klinik einweisen ließ. Sicher wird der eine oder andere nun an Szenen aus „Einer flog übers Kuckucksnest“ denken. Doch die moderne Psychiatrie hat damit kaum mehr etwas zu tun.
In der psychiatrischen Klinik
Maltherapie, Bewegungstherapie, Gespräche mit Therapeuten und Mitpatienten, man begibt sich auf die Suche nach den Ursachen, nach den Verhaltensmustern, die irgendwann einmal gut waren, jetzt aber das Leben stören. Und was ich während der Klinikaufenthalte gelernt habe, ist: Eigentlich sitzen in der Psychiatrie die normalen Menschen, die mit dem Wahnsinn da draußen nicht mehr zurechtkommen.
Ich habe empfindsame, intelligente, kreative Menschen kennengelernt, die es bis zur Perfektion gelernt haben, Masken zu tragen. Glücklicher Mensch, erfolgreicher Mensch, leistungsstarker Mensch. Alles Masken, die wir alle sehr begabt getragen haben, um unsere längst zerbrochene Seele nur ja niemandem zu zeigen.
Depressive Phasen abfangen
Ich brauchte vier Wochen in der ersten Klinik, um mir selbst die Krankheit Depression einzugestehen. Danach begann das Suchspiel: Wo stimmt etwas nicht? Was sind meine Fehlannahmen? Wie kann ich meine Krankheit in den Griff bekommen? Da meine Depression wiederkehrend ist, werde ich vermutlich den Rest meines Leben damit konfrontiert sein, depressive Episoden zu erleben. Aber ich kann sie jetzt abfangen, abschwächen.
Achtsamkeit, Bewegung, weniger Stress. Das sind meine Werkzeuge im Kampf gegen meine Erkrankung. Vielleicht ist es wirklich so, dass Depressionen heutzutage gleich häufig auftreten wie in früheren Zeiten. Aber mein Gefühl sagt mir, dass unser leistungsorientierter Lebensstil, der den Menschen durch Produktivität, Erfolg, immer höhere Geschwindigkeit definiert, Depressionen zumindest fördert.
Nicht jeder wird zum Amokläufer
Ich erwarte nicht, dass Personen, die nicht von Depressionen betroffen sind, das Thema zur Gänze verstehen. Aber es ist mir wichtig, dass Depressionen und andere psychische Erkrankungen in der Öffentlichkeit auch als Krankheit verstanden werden. Dazu gehört, nicht bei jedem Amoklauf gleich alle psychisch kranken Menschen unter Generalverdacht zu stellen. Das ist ein Grund, warum ich mit meiner Krankheit so sehr an die Öffentlichkeit gehe, warum ich Vorträge vor Schülern und anderen Interessierten halte und versuche, Mut zu machen, sich behandeln zu lassen.
Im Alltag verschwindet das Thema viel zu schnell und man muss als Betroffener sehr bald wieder Aussagen wie „Dir geht es doch gut!“ oder „Schau mal, was du alles hast!“ ertragen. Ein psychisch kranker Mensch ist so gut wie nie eine Gefahr für seine Umwelt, wenn überhaupt, dann für sich.
Der enge Zusammenhang zwischen Depression und Suizid spricht hier eine deutliche Sprache. Mehr Akzeptanz, mehr Bewusstsein für die Probleme depressiver Menschen kann Leben retten. Und wer mit Depressionen kämpft: Lass dir helfen. Ohne Hilfe ist der Kampf gegen die Krankheit kaum zu schaffen.
Über den Gastautor
Uwe Hauck ist Autor und Blogger. Er lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Schwäbisch Hall. Nach einem Suizidversuch war Hauck im Jahr 2015 in insgesamt drei Kliniken, um seine schweren, wiederkehrenden Depressionen behandeln zu lassen. Über diese Zeit twitterte er unter dem Hashtag #ausderklapse und berichtete auf seinem Blog. Nun ist auch sein Buch „Depression abzugeben “ erschienen.
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Quelle: http://www.focus.de/gesundheit/experten/ein-betroffener-berichtet-depressionen-akzeptieren-erst-kurz-vor-dem-selbstmord-holte-er-sich-hilfe_id_6673111.html
Depressionen können quasi „ansteckend“ sein
Depressionen können ansteckend sein
Psychologin der Freien Universität untersucht, welchen Belastungen Familienmitglieder von Erkrankten ausgesetzt sind.
In den vergangenen Jahren hat die Volkskrankheit Depression viel Aufmerksamkeit in den Medien erlangt. Dazu beigetragen hat möglicherweise der Suizid Robert Enkes, Torwart des Fußball-Bundesligisten Hannover 96, der unter Depressionen gelitten hatte. Die Trauerfeier im November 2009 im Stadion seines Vereins wurde im Fernsehen übertragen. Durch den Auftritt seiner Witwe Teresa Enke an diesem Tag rückte eine Personengruppe in das Licht der Öffentlichkeit, über deren seelisches Leid wenig bekannt ist: die Angehörigen depressiver Patienten.
Rund die Hälfte der Partner depressiver Patienten entwickelt in akuten Belastungszeiten selbst eine Depression.
Und trotzdem wird die Situation der Angehörigen bislang nur stiefmütterlich behandelt, nicht nur in den Medien, vor allem auch in der klinischen Praxis. Jeannette Bischkopf trägt seit einigen Jahren dazu bei, dieses Versäumnis auszugleichen. Sie ist promovierte Psychologin und wissenschaftliche Assistentin am Arbeitsbereich Klinische Psychologie und Psychotherapie der Freien Universität. „Es gibt in Deutschland zu diesem Thema bisher zu wenig Informationen, und die Unterstützung der Angehörigen wird nur unzureichend finanziert“, sagt Bischkopf. Die Gesellschaft müsse stärker für die Lage von Familienmitgliedern depressiver Menschen sensibilisiert werden. „So nah und dch so fern“ ist der Titel eines Ratgebers von Jeannette Bischkopf, der das Leben Angehöriger mit depressiv Erkrankten thematisiert und der eine Grunderfahrung auf den Punkt bringt: Die Erkrankten wirken auf die Angehörigen oft unzugänglich, abwesend und fremd. Eine erste große Hürde – auch für die Fam sei es, die Depression überhaupt als solche zu erkennen. Denn die Krankheit hat viele Gesichter, sie kommt schleichend und langsam. Bevor die Diagnose Depression gestellt wird, bleibt den Angehörigen das Verhalten der Betroffenen meist rätselhaft. „Aufgrund der Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit fällt es ihnen zunehmend schwer, die Reaktionen des anderen nachzuvollziehen“, erläutert die Psychologin. Dennoch seien die Familienangehörigen oft die ersten, die Veränderungen bemerkten und eine Behandlung in die Wege leiteten.
Mit der Diagnose verschwänden die Probleme natürlich nicht. „Wie bei anderen Erkrankungen müssen die Angehörigen viele Aufgaben des alltäglichen Lebens schultern, sich beispielsweise nun allein um die Kinder und den Haushalt kümmern“, sagt Jeannette Bischkopf. Auch die Beziehung zum Partner leide, da die Betroffenen oft sehr negativ und aggressiv seien. „Durch die Linse der Depression sehen sie alles verzerrt.“ Selbst harmlose Bemerkungen verstehen sie als Angriff auf die eigene Person. Dem gesunden Partner fällt es nicht immer leicht zu erkennen, ob gerade die Krankheit aus dem Betroffenen spricht oder die Person selbst. Sie fühlen sich zurückgewiesen und nicht mehr geliebt, was letztlich eine Beziehungskrise auslösen kann.
„Die Angehörigen müssen sich aber immer wieder vor Augen halten, dass oft die Krankheit das Verhalten des Familienmitglieds bestimmt“, betont Jeannette Bischkopf. Gleichzeitig dürften sie sich nicht alles gefallen lassen. „Sie müssen Grenzen setzen und auch auf ihre eigenen Bedürfnisse achten – es ist schließlich nicht ihre Erkrankung.“ Letztlich könnten sie dem anderen nur helfen, wenn sie selbst gesund blieben. Doch das ist leichter gesagt als getan: Denn Stimmungen sind ansteckend. Das gilt nicht nur für das herzliche Lachen eines Gegenübers, sondern ebenso für negative Stimmungen. „Teilnehmer verschiedener Studien, die mit Depressiven sprachen, schätzten sich danach selbst depressiver ein“, erklärt Bischkopf. Besonders akute Krisen belasteten den gesunden Partner sehr. „Bei starkem, anhaltendem Stress ist das Risiko erhöht, selbst depressiv zu reagieren.“ Gerade die Kommunikation mit dem Erkrankten könne viel Kraft kosten. Betroffene suchen in vielen Fällen nach ständiger Bestätigung. Doch ganz gleich, wie viel positives Feedback die Familienmitglieder ihm geben, zweifeln sie die Bestätigung an. Das kann wiederum bei den Angehörigen zu Frustration bis zu einer Art von Ausbrennen führen. „Daher ist es für sie ungeheuer wichtig, positive Gefühle und Situationen aufzusuchen, um gesund zu bleiben“ betont Jeannette Bischkopf. Auch wenn das Leid Angehöriger bisher wenig Aufmerksamkeit findet, müssten sie nicht alleine damit zurechtkommen. „Es gibt die Möglichkeit, in die Behandlung des Erkrankten einbezogen zu werden“, sagt die Psychologin. „Manche machen gleich eine Paar- oder Familientherapie.“ Eine weitere Option sei die Angehörigenselbsthilfe. „Menschen mit ähnlichem Schicksal können dort Erfahrungen und Informationen austauschen.“ So wichtig es also ist, depressiven Familienmitgliedern beizustehen: Die Angehörigen sollten ihre eigene Gesundheit nicht vernachlässigen.
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Kontakt: Angehörigen-Selbsthilfe, Telefon: 030 / 86 39 57 01; Berliner Krisendienst, Telefon: 030 / 390 63 00
Bildquelle: Eduard Titov / istockphoto
Artikelquelle: http://www.fu-berlin.de/presse/publikationen/tsp/2012/ts_20121208/ts_20121208_72/index.html
Mitgefühl mit mir selbst
Torsten Sträter (Radio sonnengrau Nachgefragt)
Idealismus & Depressionen

Alohahee Ihr lieben Seelen.
Gestern berührte mich eine Freundin mit einem Zitat von Erich Kästner:
„Ein Mensch, der Ideale hat, der hüte sich, sich zu vergleichen.
Sonst wird er eines Tages, statt sich selber, anderen Menschen gleichen.„
…
Spontan dachte ich: „Da fehlt nur noch der Hinweis, dass jene Kombination aus Idealismus und dem Sich-vergleichen sehr depressionsfördernden Charakter hat!“
Ich weiß es gut von mir selbst und erlebe es häufig in meiner Arbeit bei meinen Klienten, dass persönliche GLAUBENSSÄTZE extrem starr sein können und uns das Gefühl einer gewissermaßen „höheren Position gegenüber anderen Menschen, die die Ideale missachten“ geben. Und dass wir somit in das Verurteilen geraten. Und uns nur selbst damit schwächen. Ich glaube inzwischen, dass unsere sogenannten Ideale einen riesengroßen Einfluss darauf nehmen, ob wir Depressionen entwickeln. Denn sie prägen unsere gesamte Art zu denken….
Ideale stehen im zusammenhang dessen, was Freud das „Über-Ich“ nannte. Es handelt sich im Wesentlichen um anerzogene Wert- und Normvorstellungen, um Gehorsam, Gewissen und Moral. Und hieraus ergeben sich entsprechend „Gebote & Verbote“ für unser Denken und Handeln ….
Ich habe im Wege der psychoanalytischen Auseinandersetzung mit meiner Persönlichkeit intensiv versucht, meine Wertvorstellungen auf den Prüfstand zu stellen.
Meine Meinung und Erfahrung hierzu sieht heute so aus (und wie immer geht es mir dabei um das Erlangen einer höheren Bewusstheit / Refletiertheit von klassisch wenig beleuchteten „Autopiloten“ in uns …)
a. Jener Idealismus und noch mehr jenes Verurteilen agiert wie ein „Verdrängungsmechanismus“ und lenkt uns von uns selbst (und unseren eigenen Problemen) ab, statt dass wir uns darum kümmern. Diese „Norm-Orientiertheit“ und das daraus folgernde Denken und Verhalten gibt uns ein subjektiv erlebtes Gefühl von „Berechtigung“ und „Überlegenheit“. Mit diesem Gefühl täuschen wir uns aber nur selbst. Und mit dieser Starre schaden wir uns psychisch. Im Grunde richte ich eine Waffe gegen mich selbst. Es ist wie ein selbst angelegter Würgegriff, der mich einengt und einzwängt und mich über kurz oder lang in psychische Probleme treiben wird. Gelassenheit, Akzeptanz, Mitgefühl und Toleranz (allesamt depressionshemmende Faktoren) können so jedenfalls nicht aufkommen.
b. Mein „Ideal“ ist und bleibt letztlich nur meine persönliche, gedankliche Vorstellung. Nicht mehr und nicht weniger! Diese Vorstellung kann jedoch ungeheuer stark und starr sein und sich für mich wie „das einzig Richtige“ anfühlen, solange ich das nicht reflektiere. Sie kann jedoch schlichtweg purer Nonsens sein. Keinesfalls ist mein Ideal etwa „objektiv richtig“. Und mindestens hat jeder Mensch die persönliche Freiheit, sich gegen meine Ideale zu entscheiden oder andere zu haben, oder auch gar keine. Aus dem Vorgesagten folgt für mich, dass ich Ideale / Glaubenssätze grundsätzlich vermeiden sollte, solange sie starren oder gar unabänderlichen Charakter haben…
c. Meine Verurteilung anderer Menschen macht meine Probleme nur schlimmer. Mein bislang unbewusstes Verlangen, mich durch mein Verurteilen, durch mein „mich moralisch über andere erheben“, besser zu fühlen, ist ein „Brainfuck“. Denn in Wahrheit erhalte ich nur eine destruktive Energie („Ablehnung“) in mir selbst aufrecht, was mir geistig schadet. Und wenn ich das verstehe, habe ich die Macht (und ich finde auch die „Pflicht mir selbst gegenüber“), mich gegen Glaubenssätze und gegen das Verurteilen anderer Menschen zu entscheiden.
c. Meine Ideale wurden mir bereits frühkindlich anerzogen, also aufdoktriniert. Ich wurde sozusagen manipuliert damit, wie in einer Art Gehirnwäsche. Zu diesem Zeitpunkt als Kind war ich diesbezüglich jedoch „hilflos und wehrlos“! Diese Erkenntnis wiederum versetzt mich in die Lage, selbstverzeihlich mit mir zu sein. Denn ich kann nichts dafür. Es ist nicht meine Schuld, dass ich solche starren Normen verinnerlicht habe.
d. Und heute als erwachsener Mensch kann ich jederzeit selbst entscheiden, z.B. für gewisse Ideale nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Ich muss dazu im Grunde nur anerkennen, dass ich diese Macht habe und ich muss bereit sein, die Selbstverantwortung dafür zu übernehmen. Das ist nicht einfach, es kann ungeheuer schwierig und schmerzhaft sein, …. aber es ist definitiv möglich! Ich bin der Kapitän im Boot meines Lebens…. und so gewinne ich Weite und Freiheit für mich…;)
e. Wie eine hervorragende Therapeutin mir während meines Klinikaufenthaltes vermittelte, können wir aber durchaus unseren Neigungen (also zB dem Wunsch, anderen Menschen behilflich sein zu wollen oder nach gewissen „Regeln“ leben zu wollen) nachkommen. Solange wir das nicht auch von anderen Menschen sozusagen „verlangen“ …. und solange wir in der Lage sind, jene Neigungen möglichst jederzeit kritisch selbst-reflektiert zu „dosieren“, so dass sie NICHT – von uns unbeeobachtet – als depressionsfördernde, alte „Muster“ wie Autopiloten in uns ablaufen, sondern unserer psychischen Balance eben unter dem Strich nützen …
Yeah 🙂
Inspirierte Grüße…
“Wie entscheide ich mich zu denken?” – Vortrag Nerd Nite, Düsseldorf, 26. Januar 2017
Hörbuch „Emo-Training“ mit praktischer Übung im SHOP!
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Es war ein großartiger Abend. Mein Vortrag vor über 400 Menschen auf der echt coolen NerdNite in Düsseldorf vergangenen Donnerstag hat mir enorm viel Spaß gemacht und viele Menschen kamen noch nach dem Vortrag mit Fragen auf mich zu.
Ich danke ausdrücklich den Veranstaltern von 0049events bzw. vom BouiBouiBilk herzlich, dass sie auch meinen kleinen Beitrag zur wichtigen Aufklärung über Depressionen unterstützt haben.
Humor bei Depressionen
Bin nicht in allen Punkten mit diesem Artikel konform und auch das Thema Humor ist sicher eine ähnliche individuelle Persönlichkeitsfrage wie die Erkrankung selbst.
Aber ich kann gut aus der eigenen Erfahrung sprechen, dass mir irgendwann (auch motiviert durch mein Psychiater) Humor schon sehr dabei half und hilft, eigenes Leid zu relativieren und eine sinnvolle, distanzierte Haltung zu dem Leid und zu der Erkrankung aufzubauen.
Es darf dabei auch durchaus etwas ironisch werden, … es darf nur eben meiner Meinung nach nicht in einen rabenschwarzen, wirklich satirischen Humor ausarten,… denn dann wäre es meines Erachtens eher kontraproduktiv, … weil ich begänne die Erkrankung zu verhöhnen, anstatt sie ernst zu nehmen.
Dann würde daraus eine Ego Sache, eine Frage des Stolzes, und diesen Kampf würde meines Erachtens die Depression immer gegen den Humor gewinnen.
Also würde ich es gerne den „selbstwertschätzenden Humor“ taufen…;)
Nerd Nite-Vortrag „Wie entscheide ich mich zu denken?“, Düsseldorf – 26.1.2017

Liebe NerdNite Freunde!
An dieser Stelle erscheint in wenigen Tagen der Video-Vortrag.
Einfach wieder vorbeigucken oder auf der Startseite im Fragebogen anklicken: „Ich möchte informiert werden, wenn der Vortrag von der Nerd Nite online ist„, … dann schicke ich euch ´ne Mail…
Hilfe zur Selbsthilfe-Fachtagung in München

Bin heute zu Gast beim Münchner Bündnis gegen Depression. Interessante Vorträge und Podiumsdiskussionen, insbesondere zu meinem Thema aus der Welt der Hilfe zur Selbsthilfe.
Redner sind u.a. Vertreter des bayrischen Staatsministeriums für Gesundheit, Verantwortliche von Selfapy (Online Selbsthilfekurse) und von Radio Sonnengrau (Radiosendung mit Themen rund um psychische Erkrankungen).
Ca. 200 Besucher sind an Bord. Thema ist immer wieder das Leid des langen Wartens auf Therapieplätze in Deutschland. Hier füllt Hilfe zur Selbsthilfe ebenfalls eine wichtige Lücke. …. Sag ich doch 😉











